Slow Business, oder: Wie Sardinien dein Arbeitsleben entschleunigt und bereichert

Sardinien hat mich – ganz langsam natürlich – zum „Slow Business“ bekehrt. Das ist so nach „Slow Food“ und „Slow Fitness“ und „Slow Gardening“ die logische Konsequenz: Langsamer und mit mehr Achtsamkeit durch das Berufsleben zu gehen. Ich mag aus meinem Auswanderer- und Arbeitsleben auf Sardinien erzählen, warum das kein Buzzword, sondern eine gute Idee ist. Und wie das geht. Inspiriert von der sardischen Arbeitskultur und Lebensart.

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Viele meiner Kunden, die auf Sardinien vielleicht einfach einen Workshop oder ein Strategiemeeting machen, erleben genau das: Die Insel reduziert ihren Stress innerhalb kürzester Zeit. Meetings auf Sardinien sind deutlich entspannter, die Teilnehmer kreativer, die Ergebnisse besser.

Als Auswanderin kann ich das nur bestätigen. Nur auf Sardinien bin ich zu einem großen Teil meiner Arbeitszeit stressfrei. Die Insel hat einen entschleunigenden Faktor. Es gibt hektische und druckvolle Momente. Natürlich. Aber die sind die Ausnahme und so soll es ja eigentlich sein. Stressfreiheit ist für mich ein sehr erstrebenswerter Zustand, kann ich nur jedem empfehlen.

Nun haben ja aber viele Menschen das Pech, gar nicht auf einer Insel und speziell nicht auf Sardinien zu leben. Diese Tipps sind daher für alle, die „auf dem Kontinent“ im Stress und Termindruck gefangen sind. Die nach dem Studium schon auf den zweiten Burnout zusteuern. Die das Hamsterrad für die Karriereleiter halten und gar nicht merken, dass sie im Kreis laufen und hohl drehen.

Gibt ja Leute, die mögen das. Die mögen Stress. Bitteschön! Für alle anderen kann Sardinien eine Inspiration sein, „Slow Business“ als Konzept ins Leben zu lassen.

Was Slow Business für mich heißt

Ich bin Freiberuflerin und als solche darauf gepolt, quasi immer für alle Schandtaten bereit zu sein. Die Auswanderung nach Sardinien hat mir in der Beziehung eine Grundruhe verschafft, die ich nie wieder hergeben möchte: Ich habe Hektik verlernt. Ich lasse mich von der Sonne wecken und beginne den Tag in aller Ruhe mit einem genüsslichen Kaffee, einer Runde Angry Birds oder irgendeinem anderen Quatsch. und einer halben Stunde Yoga. Ich steh auch gern mal um sechs oder sieben auf, und bin dann um neun startbereit. Aber ich rase nicht mehr zur S-Bahn (gut, hier gibt’s auch keine, das ist ein Vorteil). Aber zu Terminen fahre ich mit Bus oder Auto in enstpannter Achtsamkeit. Ich schlinge auch mein Mittagessen nicht runter. Das ist keine Art mehr, meinen Tag zu verbringen.

Slow Business: auf dem Weg zum Meeting die Schnecke durchlassen

Ich interessiere mich auch mehr für kleine Dinge. Da war eine Schnecke auf dem Weg zum Kundentermin letztens, die erinnerte mich daran. Und weil sie von rechts kam, hab ich sie durchgelassen. Sie hatte ja Vorfahrt. Auch nach deutschen Regeln. Ach, und eigentlich ist auch egal, von wo sie kommt. Sie muss ja vielleicht auch zu einem Termin. Und soooo langsam sind Schnecken dann im Endeffekt auch gar nicht, dass man sie nicht zwei Minuten beobachten, wertschätzen und durchlassen könnte. Probier’s mal aus. Die nächste Schnecke ist deine!

Auf der Insel habe ich gelernt, mir Zeit zu lassen. Ich lasse mich zu etwa 90 % meiner Arbeitszeit nicht mehr stressen. Ich renne auch nicht mehr. Lustiger Nebeneffekt: Wenn ich mal „auf dem Kontinent“ arbeite und zum Beispiel durch einen Bahnhof gehe, bin ich für alle um mich herum ausnahmslos viel zu langsam. Natürlich komme ich auch an, und meistens auch pünktlich (weil ich für mein Tempo eben früher losgehe). Aber um mich rum hetzt es wie bekloppt. Ich bin echt ein Hindernis.

Und dann bin ich nachher am Gleis, da lächelt mich eine alte Dame an, die es auch nicht schneller geschafft hat. Und dann nehmen wir eben die S-Bahn 5 Minuten später. Was sind schon fünf Minuten! (dazu gleich mehr). Wir kommen genauso gut an, wenn nicht deutlich relaxter. Ist alles gut, wie es ist.

Natürlich ist es schwer, sich der Hektik zu entziehen, wenn sie dich von morgens bis abends umgibt. Und wenn Zeitmanagement, Termine und Belastbarkeit des Einzelnen tatsächlich zur Landes-Arbeitskultur gehören. Das ist ganz wichtig zu verstehen, Deutschland ist ein Land, das sich darauf geeinigt hat, diese Arbeitswerte und so eine Kultur zu haben. Da haben wir alle mitgemacht. Das kann man ändern, aber eigentlich können das nur alle gemeinsam. Als Einzelner mehr Zeit und Ruhe zu fordern und sie sich zu nehmen, ist wirklich schwer.

Aber schwer ist nicht unmöglich. Und vielleicht kann man an dieser Stelle von Sardinien lernen. Nein, die Sarden machen auch nicht alles richtig und es gibt auch ne Menge Flöten hier in der Arbeitswelt. Aber die „Guten“ haben sich (oft traditionell bedingt oder auch unbewusst) eine Art entschleunigte Arbeitskultur angeeignet.

Und das gibt Impulse, sich dem „Slow-Business“-Konzept im eigenen Berufsleben zu nähern.

Pünktlichkeit: „Ich bin in fünf Minuten da.“

Ein wundervolles Vorurteil, Italiener oder Sarden seien unpünktlich. Aber genau genommen, sind fünf Minuten Verspätung ja eigentlich nicht schlimm. Das muss jeder Tag vertragen, sonst ist irgendwas grundlegend falsch im System. An der Stelle können wir uns mal entspannen.

Okay, ich geb’s zu: Sardische fünf Minuten sind eher eine gefühlte Einheit. Und diese Einheit entspricht in etwa 20 kontinentalen, „wirklichen“ Minuten. Mal mehr, mal weniger.

Das ist schlicht eine Kulturfrage. Sarden haben ein dehnbares Zeitgefühl und ein flexibles Verständnis von Pünktlichkeit. Sie finden sich durchaus pünktlich, wenn sie sich um 9 Uhr auf der Baustelle verabreden, der eine kommt drei Minuten früher, der andere vier Minuten später. Und alle trinken erst gemeinsam einen Kaffee, um zehn oder eben 20 Minuten später mit der Arbeit zu beginnen. Alle sind da und bereit – das heißt auf Sardinien pünktlich und geht völlig in Ordnung. Finde ich mittlerweile durchaus nachvollziehbar. Dann arbeitet man später halt ein bisschen mehr oder schneller. Die Arbeit wird gemacht. Das finde ich als Freiberufler ein nachvollziehbares Zeitmanagement, denn wichtig ist, dass die Arbeit erledigt und nicht, dass du Zeit voll machst.

Natürlich kannst du in einem Unternehmen, das seinen Mitarbeitern mühevoll Meeting-Disziplin beigebracht hat, nicht die Welt auf links drehen. Aber: Wenn jemand zu spät kommt, dann ist das nicht zwingend ein Weltuntergang. Von notorischen Disziplinverweigerern, die immer zu spät sind und anderen wertvolle Zeit stehlen, red ich hier nicht. Aber fünf Minuten – zumindest fünf Minuten unserer Zeit – sind machbar. Wenn nicht, ist die Agenda zu eng. So einfach ist das.

Nimm es als Zeitgeschenk, wenn noch nicht alle da sind. Atme vielleicht nochmal durch, weil dir ein langer, anstrengender Tag bevor steht. Vielleicht nutzt du die Zeit aber auch für eine andere Sache, die du schonmal erledigen kannst.

Das macht der Sarde, der aus fünf Minuten 20 macht, übrigens auch: Der sitzt nicht faul in der Ecke, sondern ist vielleicht aufgehalten worden oder eine andere Arbeit dauert unerwarteterweise noch etwas länger und kann nicht unterbrochen werden. So Sachen passieren. Ein Guide, auf den wir für eine Exkursion warteten, musste letztens noch schnell seine Schafe auf die Wiese bringen. Das bedeutete 10 Minuten Fußweg – die er mit dem Satz „Ich bin in 5 Minuten bei euch“ ankündigte. Lächeln und Verständnis hilft ungemein. Dem anderen nicht Böswilligkeit und Unpünktlichkeit vorzuwerfen, sondern davon auszugehen, dass es einen Grund hat, warum er noch nicht da ist.

Wenn du warten musst und nichts anderes tun kannst, sprich einfach mit deinen Kollegen, die auch schon da sind. Über das, was sie bewegt, was sie freut, was sie erlebt haben. Zeit in Zwischenmenschliches ist immer gut investiert. Und dann begrüßt ihr alle den Zuspätkommer mit einem Lächeln und erhobenen Kaffeetassen. Der merkt garantiert sofort, dass er gerade einen tollen Moment im Team verpasst hat. Und vielleicht ist er genau deswegen das nächste Mal pünktlich und besser organisiert.

Prioriäten: „Ich kann das heute nicht mehr machen – unsere Nonna wird 90!“

Das, was manchen Sarden von der Arbeit abhält, ist ihm persönlich wichtig, so wie Omas 90. Geburtstag. Natürlich hat er recht, natürlich ist Oma wichtig. Manchmal hat man aber auch „nur“ Schlagzeug-Probe, der Hund muss geimpft werden, oder Cagliari spielt gegen Juve, oder man muss noch frische Muscheln fürs Abendessen kaufen, und der Fischmann macht leider schon früher zu …

Sind das Ausreden, nicht arbeiten zu müssen? Man selbst würde ja schließlich alles verschieben, nur um den Kunden / Chef / Projektleiter / Wenauchimmer zufrieden zu stellen, und alle Termine, ob sinnvoll oder nicht, noch einzuhalten. Der Hund kann auch morgen geimpft werden. Wird er dann nicht. Auch in drei Wochen nicht.

Nein. Anzunehmen, der Sarde sei faul, ist grundlegend falsch. Man ist wirklich nicht arbeitsscheu. Die Sarden, die Arbeit haben, sind dankbar und machen sie gern. Man setzt nur andere Prioriäten. Und hier auf Sardinien dürfen familiäre und private Interessen gegenüber der Arbeit auch Priorität haben. Auch ich habe (in Deutschland) lange Zeit gedacht, dass mein Privatkram immer zurückstehen muss. Was kann schon wichtiger sein, als eine Deadline – dafür werd ich ja schließlich bezahlt?

Heute, mit Abstand, kann ich dir das sagen: Liebe, Freunde, Familie, Glück, Gesundheit.

Und wo das herkommt, gibt’s noch mehr Gründe, Prioritäten ohne schlechtes Gewissen zu verschieben oder neu zu ordnen.

Wir alle wissen auch sehr gut, dass manche Dinge ihre Zeit brauchen. Manche Termine sind sehr sinnvoll und es ist auch notwendig, sie einzuhalten. Aber andere sind vielleicht etwas willkürlich gesetzt, nur weil Freitag oder Monatsultimo ein psychologisch guter Tag ist, um etwas fertig zu haben. Oder weil der Projektmanager vor acht Wochen mal dachte, dass die Zeit dicke ausreicht. Das darf man durchaus hinterfragen, wenn man merkt, alle Teammitglieder drehen am Rad. Und wenn es sein muss, neu ordnen oder einen Vorschlag machen, sie zu verschieben. Bevor man etwas schlechtes abliefert, ist das meistens besser.

Sarden arbeiten tendenziell lieber gut als schnell. Wenn zum Beispiel der sardische Handwerker noch schnell was gezimmert hätte, bevor er zu Omas Geburtstag gefahren wäre, wär das vielleicht schlechte Arbeit geworden, er hätte nacharbeiten müssen (Ehrensache) und am Ende mehr Aufwand gehabt, vielleicht sogar ein bisschen Verlust.

Das vermeidet er auch, in dem er sich Zeit zum Reflektieren nimmt. Zum Beispiel während einer Pause.

Pausen: „Un caffè per favore!“

Vor schon längerer Zeit, als ich noch nicht ganzjährig hier lebte, machte ich mich mit dem Bus auf dem Weg zum Flughafen. Glücksfall: Der passte quasi perfekt zur Abflugzeit. Viel Puffer hatte ich nicht. Viertelstunde, maximal. Da durfte nicht viel passieren.

Kurz nach der Abfahrt aber, an der zweiten Haltestelle noch im Ort, hielt der Bus und der Fahrer schaltete den Warnblinker ein. Hm? Was nun? War was am Bus? Der Fahrer stieg wortlos aus und ging in die Bar, die hinter der Haltestelle war. Einigermaßen verwirrt und besorgt schaute ich ihm hinterher. Außer mir schien das aber keinen im Bus zu stören. Also gab ich mir einen innerlichen Ruck und beobachtete einfach.

Durchs Fenster sah ich, wie er an der Bar einen Espresso bestellte, trank, bezahlte. Das dauert knapp zwei Minuten, denn das ist das Geheimnis und der Vorteil des italienischen Espresso, auf Sardinien umgangssprachlich „caffè“ genannt: Er ist kurz und stark und in einer Temperatur, die man direkt trinken kann. Rein in die Bar, caffè kippen, zahlen, wieder raus.

Auch unser Busfahrer war schnell wieder da und wir setzten unsere Fahrt fort. Am Flughafen kam der Bus übrigens vier Minuten früher an. Kein Grund zur Aufregung also. Zu keiner Zeit.

Ich hab aus der Episode mehrere Dinge gelernt: 1. Gönn‘ dir eine Pause, wenn du sie brauchst. 2. Ein, zwei Minuten Zeit ist immer, überall. Eine Minute lang aus dem Fenster gucken, kann nicht weltbewegend schlimm sein. 3. Entspann dich. Viele Aufregung ist grundlos. So wie der Bus gar keine Verspätung hatte, erst recht nicht, weil der Fahrer einen Kaffee getrunken hatte.

Reflexion: „Lass mich drüber nachdenken.“

Der Sarde möchte fundierte Antworten geben. Darum ist seine erste Antwort oft erstmal schwammig und ausweichend. Wir mögen das nicht so gerne. Wir wollen vom Gegenüber eine sofortige gute Antwort haben. Effizienz, wir haben ja keine Zeit, das muss ich jetzt gleich sofort wissen.

Der Sarde aber möchte sich selbst ganz sicher sein. Und vielleicht auch noch jemanden um Rat fragen. Man spricht sehr viel miteinander und schätzt die Meinung von Kollegen und Freunden. Selbst, wenn man selbst vom Fach ist. Man möchte nichts Falsches sagen. Speziell gegenüber Deutschen (oder Schweizern oder Österreichern, wir sind uns da ähnlich) und ich kann das sehr gut verstehen, denn wir drehen ja anderen gern einen Strick draus, wenn die Antwort nicht korrekt ist.

Stelle ich am Telefon zum Beispiel bei der Event-Organisation eine Frage, dann ist nicht selten, dass ich die Antwort bekomme: „Lass mich drüber nachdenken. Ich kontrolliere das und sag dir morgen, wie wir das machen.“

Die Antwort kommt z. B. auch von Guides, die eine bestimmte Exkursion schon hundertmal gemacht haben. Der positive Effekt, den diese Arbeitsweise hat, ist in zwei Dingen spürbar: Qualität und Ruhe.

Letztens organisierte ich eine Reise in das Zentralgebirge Sardiniens, den Gennargentu. Der Kunde wollte gern ein typisch sardisches Hirtenessen / pranzo pastore. Nun ist das in Fonni, dem Ort, in dem wir wohnten, eher unüblich. Ist möglich, aber die Tradition kommt eher aus dem nördlich gelegenen Supramonte bei Orgosolo und Oliena.

Als also einer der wenigen Anbieter absagte, rief ich Antonello in Fonni an, einen Guide, den mir Freunde empfohlen hatten. Ich erzählte ihm, was für eine Gruppe es ist, und wie ich mir das so vorgestellt hatte. „Lass mich drüber nachdenken. Morgen bin ich unterwegs, ich meld mich Donnerstag bei dir.“ Huch! Zwei Tage im Zeitplan weg.

Erst hatte ich leichte Schnappatmung, das geb ich zu, da nur noch wenige Tage bis zum Reisetermin blieben. Aber ich kenne die Sarden mittlerweile und habe Vertrauen, dass immer irgendwie alles gelöst wird. Als ich mich also beruhigt hatte, empfand ich seine Antwort als enormen Zeitgewinn. Auch um selbst nochmal über Alternativen nachzudenken und parallel andere Angebote einzuholen.

Und was soll ich sagen: Der gute Antonello hatte sich richtig viele Gedanken gemacht und mir eine Exkursion vorgelegt, die wie A… auf Eimer auf die Gruppe passte. War zwar einen Tick teurer und die Wanderung anstrengender für die Gruppe, aber es war das Beste, was mir in dem Moment passieren konnte. Event gerettet, alle waren happy, wir haben an anderer Stelle was gespart. Und ich hatte plötzlich neue Ideen und Möglichkeiten und frag Antonello beim nächsten Mal direkt – weil er mitdenkt und nicht schnell schnell geantwortet hat.

Einen Gang zurückschalten: „Ich hol noch schnell den Korkenzieher.“

Als ich letztens mit einer super netten Reisegruppe unterwegs war, fiel mir im Auto ein, dass ich den Wein und Korkenzieher für ein kleines Picknick im Zimmer gelassen habe. Brot, Käse und Schinken war da, es hätte also gereicht. Aber es wäre nicht vollständig gewesen. Auf Sardinien gehört ein Glas Rotwein bei einem Picknick dazu.

Wir waren eine Autokolonne von vieren. Mein Panda war das erste Auto und ich hielt mitten auf dem Weg. Alle hinter mir auch. Ich stieg aus und ging in mein Zimmer. Und ließ die anderen hübsch auf der Auffahrt im Weg stehen. Also, im Weg nur, falls jemand gekommen wäre – ich spürte die entsprechende Aufregung, wie alle dachten: O Gott, wenn jetzt einer kommt und durch will! Aber es kam keiner. Nur der Haus-Esel, und der ging vorbei.

Ich selbst schaltete noch einen weiteren Gang zurück: Statt zu rennen (was auf so kurzen Strecken eh nichts bringt), ging ich in normal-schnellem Tempo. Warum auch hetzen? Wir hatten ja nur einen Picknick-Termin mit uns selbst. Message ist: Lerne die Situation einzuschätzen. Frage dich: Muss ich unbedingt hektisch werden? Gewinne ich überhaupt Zeit oder drohe ich eher, mir den Fuß zu brechen, weil ich zu schnell die Treppe runter rausche? Oder kann ich einen Gang zurück schalten?

Größer skaliert, ist Entschleunigung ein ganz wichtiges Thema im Berufsleben: Regeneration. Der arbeitende Mensch braucht Auszeiten, um zur Besinnung zu kommen.

Regeneration: „Diesen Urlaub nehme ich.“

Grenzen ziehen, bevor man auslaugt, können arbeitende Sarden sehr gut. Das hat auch, aber nicht nur mit dem Thema Prioritäten zu tun. Es ist eine Frage der Fairness: Ich arbeite viel, also ist es völlig in Ordnung, frei zu nehmen.

Der Wunsch nach einer Auszeit kommt bei einem selbst selten von ungefähr. Hör auf dich selbst. Nimm dich gezielt raus aus dem Stress. Spätestens, wenn ein wichtiges Projekt beendet ist, ein großes Event vorbei ist, ne Bilanz geschrieben ist, eine Prüfung bestanden ist – dann darfst du dir Zeit zur Regeneration nehmen.

Muss ja nicht gleich ein Sabbatical sein, obwohl das sicher nach zwanzig Jahren Durcharbeiten auch mal gut ist. Ich sag immer, Sardinien ist ein super Sabbatical-Ersatz. An den richtigen Orten auf dieser Insel genügt auch relativ kurze Zeit, um wieder zu Kräften zu kommen.

Selbst wenn du dich verausgabst: Eine Woche auf dem „Selvaggio Blu“, einem der schwierigsten Treks Italiens der durch den Supramonte geht. Eine Woche dauert die Wanderung (die du nur mit körperlicher Fitness und einem Guide machen solltest). Aber sie bringt dich mit Sicherheit, 100% ultraschnell in einen Modus, in dem du regenerierst. Du hast gar keine Gelegenheit, an Job, Beruf, irgendwas anderes zu denken. Die Natur ist so stark und nimmt dich so ein, dass da gar kein Raum ist für etwas anderes.

Für andere reicht es auch, dich dich zwei Wochen in einem der familiären, feinen Gasthöfe Sardiniens einzunisten, in denen du vielleicht wie anno dazumal in antiken Gemäuern oder nachgebauten Hirtenhütten untergebracht bist. Du wirst auf ganz natürliche, traditionelle Weise versorgt. Vielleicht gönnst du dir auch ein bisschen Wellness oder Yoga in freier Natur, an energetischen Plätzen in Nuraghen oder an Gigantengräbern, oder machst eine mehrtägige Wanderung oder einen Wanderritt, tief in der Inselmitte, wo auch die Tourismus-Hektik nicht ankommt. Oder verbringe ein paar Wochen auf dem Segelboot an den weniger frequentierten Küsten der Insel oder noch weiter draußen bei Wal, Delfin & Co.

Sardinien hat so wahnsinnig viele Möglichkeiten, dich aus dem Arbeitsalltag und dem Druck herauszuziehen. Gönn deinem Verstand eine Aus-Zeit!

Nimm dem Verstand die Zeit!

Nimmst du deinem Verstand die Zeit weg, hört er auf zu funktionieren. Und das ist für ein Weilchen auch gut so. Du kennst das vielleicht aus dem ganz normalen Urlaub, wenn du nach ein paar Tagen nicht mehr weißt, ob eigentlich Dienstag oder Sonntag ist.

Dieser schöne und erwünschte Effekt lässt sich auf Sardinien durch die wilde, unberührte Natur und durch abgeschiedene und von der eigenen Kultur getrennte Orte noch verstärken.

Die äußere Hektik nimmt ab, die innere Ruhe nimmt zu. Fast automatisch. Du vergisst die Zeit, du entspannst dich tiefer. Du bist mehr im Hier und Jetzt.

Dann gibst du ein paar neue kulturelle Eindrücke und visuelle oder kulturelle Störfaktoren dazu: Dinge die du nicht kennst. Das weckt deinen Geist. Schlafende Ideen finden den Weg aus der Dunkelheit deines Hinterkopfes in das Licht deiner Kreativität (von der du vielleicht behauptest, du hättest sie gar nicht, aber doch, du hast sie).

Widmest du dich dann, danach aus dieser neuen Ruhe heraus deinen beruflichen oder auch deinen persönlichen Herausforderungen, fokussierst du besser.

Die Zeit spielt auch danach ganz lang noch keine Rolle. Du hast sie Dank der neu gewonnenen Langsamkeit einfach im Überfluss. Und das bereichert dein Business. Versuche, dieses Stadium zu konservieren. Das tut sehr gut.

Magst du das „sardische Slow Business“ ausprobieren? Dann sollten wir miteinander sprechen. Ich freu mich!