Schaf & Co: Landwirtschaftliche Fachreise zu einer antiken Hirtenkultur

Sardinien, die Insel der Schafe. Auf diesem »kleinen Kontinent« hat sich über die Jahrtausende eine Kultur, speziell eine durch das Hirtentum geprägte entwickelt, die bis heute in der modernen Welt Bestand hat. »Pastore«, Hirte, ist auf Sardinien ein hoch angesehener Beruf, der die Gesellschaft prägt.

Die unterschiedliche Arbeitsweise, Mentalität und Werte der Sarden liefern Impulse, um auf neue Ideen für den eigenen Betrieb zu kommen, die eigenen, ausgetretenen Pfade zu verlassen, die eigenen Methoden und Denkmuster zu hinterfragen – und letztlich Innovationen zu begünstigen.

Antike Hirtenkultur auf Sardinien
Antike Hirtenkultur auf Sardinien

So ist eine landwirtschaftliche Fachreise nach Sardinien auch mehr als ein Ausflug auf eine schöne Insel, auf der viele Schafe sind.

Sardinien gibt Inspiration für eine nachhaltige Landwirtschaft, die Wirtschaftlichkeit und Tierwohl, Tradition und Gegenwart miteinander vereinbart. Immer mehr junge Leute ergreifen bewusst die Chancen, die sich daraus ergeben und die Branche erfährt neuen Aufwind.

Zukunftsmusik auf Basis der antiken Hirtenkultur einer Insel im Mittelmeer? Aber ja! Horizonterweiterung ist immer ein interessantes Puzzlestück – ob in der eigenen beruflichen Vita oder für die Geschichte des Betriebs.

Schafe im Melkstand der Fattoria Su Grabiolu im Oristanese
Schafe im Melkstand der Fattoria Su Grabiolu im Oristanese

Ich organisiere eure landwirtschaftliche Fachreise zu Schaf & Co. auf Sardinien. Art, Zeit und Ziel der Reise ist individuell gestaltbar:

  • Trekking im Supramonte oder Jeep Tour im Gennargentu mit Hirtenessen / pranzo pastore (Frühling und Herbst)
  • Schafschur mit geselligem Essen zusammen mit Schäfer und Scherern (Ende Mai / Anfang Juni)
  • Reiseroute entlang der antiken Wege der Transhumanz auf Sardinien (um dem richtig nachzuspüren, wäre Oktober / November die beste Zeit, aber auch im Frühling)
  • Fachreise mit Workshops (z. B. Käse-Herstellung) auf einem modernen Schafhof / in einer fattoria didattica, einer Art Mitmach-Bauernhof (ganzjährig)
  • Einen ersten Eindruck vermittelt z. B. dieser Bericht über eine durchgeführte Reise auf dem Hof Su Grabiolu auf meinem Sardinien-Blog.

Auf Wunsch reisen wir zusammen mit einem professionellen Dolmetscher, um den fachlichen Austausch vor Ort noch zu verstärken und ggf. Kooperationen zu ermöglichen. Denn im Inselinneren, wo die Schafe und Schäfer zuhause sind, spricht man kaum Englisch, geschweige denn Deutsch.

Im Bereich der Schafzucht und -haltung kenne ich so ziemlich alles, was Sardinien zu bieten hat: den einzelnen, alten Schäfer in der Einöde des Sarrabus, den hemdsärmeligen Vater-und-Sohn-Betrieb in den Hügeln bei Mamoiada, die mit Hütehund frei laufenden Herden im Gennargentu oder den modernen Hof mit rund 1.000 Tieren in der weiten fruchtbaren Ebene von Oristano.

Diese unterschiedlichen Ansätze – durch die örtlichen Gegebenheiten und Traditionen des jeweiligen Ortes entstanden – geben auch eine mögliche Reiseroute quer durch die Insel vor. In etwa einer Woche können wir quasi eine kleine Zeitreise durch die verschiedenen Entwicklungsstadien der Hirtenkultur machen.

Alle Fachreisen lassen sich übrigens auch als individueller Sprach- und Bildungsurlaub (ggf. sogar absetzbar) sowie mit enogastronomischen Elementen als kulinarische Rundreise konzipieren.

Antike Methoden im modernen Schafhof

Je nach Region und Art des Betriebes hat die Schäferei auf Sardinien sehr unterschiedliche Ansätze. Viele Betriebe haben sich modernisiert, viele arbeiten aber auch noch so wie ihre Großväter. Manche Betriebe wissen das Beste aus beiden Welten erfolgreich zu verbinden.

Methodisch ist Sardinien in der Antike verankert: Was früher gut war, ist auch heute noch gut – so der Grundgedanke. Die innere Haltung der sardischen Schäfer ist hemdsärmelig, ausdauernd und sie sind Härte gewohnt. Und: Sie sind weitgehend unbeeinflusst von dem Erfolgsdruck des übrigen Kontinents.

Bester sardischer Pecorino im Kühlraum
Bester sardischer Pecorino im Kühlraum

Die Besucher erfahren von diesem besonderen Menschenschlag aus erster Hand, wie heute auf der Mittelmeerinsel gearbeitet wird:

  • Wie kann in unserer schnellebigen Welt für den internationalen Markt der erstklassige sardische Pecorino noch in Quasi-Handarbeit hergestellt werden?
  • Welche Herausforderungen und Chancen hat die traditionelle Schäferei?
  • Welche antike Methoden sind heute noch in der Käseproduktion lebendig?
  • Wie wird heute eine Herde Schafe auf Sardinien mit reduzierten finanziellen Möglichkeiten betreut?
  • Wie hat die antike Transhumanz den Schäfer von heute geprägt und was heißt Transhumanz heute?
  • Wie hat sich die Schafzucht entwickelt und was macht das sardische Schaf besonders?

Nachhaltigkeit in der sardischen Viehzucht und -haltung

Nachhaltigkeit ist auf Sardinien – auch dank der limitierenden, natürlichen Gegebenheiten einer Insel mitten im Meer – ein in vielen Betrieben gelebtes Prinzip.

Vor allem die reine und naturbelassene Landschaft, das noch häufig anzutreffende Prinzip der frei laufenden Herden, und last but not least die innere, zufriedene Haltung des sardischen Bauern sorgen dafür, dass die meisten Bauern und Betriebe in Quasi-Bioqualität produzieren. Jungtiere wachsen im Herdenverband auf. Geschlachtet wird in der Regel nach Bedarf und die Fleischqualität ist exzellent und wird zu einem vernünftigen Preis auf dem heimischen Markt verkauft. Der Verbraucher, aber auch sardische und internationale Köche wissen dies zu schätzen.

Frei laufende Herde im Gennargentu Arzanese
Frei laufende Herde im Gennargentu Arzanese

Natürlich gibt es auch Probleme – Überweidung, Milchpreise, Wirtschaftskrise. Die Hirten können stundenlang davon erzählen. Wenn sie das tun, ist aber schon gut, wenn man Italienisch spricht, eine Übersetzung wird dem echten Gefühl nicht annähernd gerecht.

Die Schafe sind zwar typisch für Sardinien – aber nur ein Beispiel. In der gesamten Inselmitte – westlich bei Oristano, im Nuorese, Medio Campidano bis östlich im Gennargentu werden die Kuhrassen Sardo Bruna (entstanden durch Einkreuzung von Milchkühen aus den Schweizer Alpen) und Sardo-Modicana (auch als Bue Rosso / rotes Rind bekannt) gezüchtet und gehalten. Die Ebene bei Arborea ist die Heimat von Milchvieh. In der Gallura werden in den letzten Jahren vermehrt Limousins und Highlands in kleinen, feinen Herden gehalten. Auch Schweine sind seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Inselkultur, oft noch in Freilandhaltung in den Eichenwäldern des Gennargentu oder auf saftigen Wiesen weidend.

Wie auch immer: Ich freue mich auf euch und euer Projekt!